Überdenke deine Worte...

Die verwelkten Blumen auf dem Grab zerreißen mir das Herz. Zu lange bin ich alleine gewesen. Meine Schwester war das letzte was ich gesehen habe von meiner Familie. Nun bin ich allein. Sie war noch jung. Zu jung. Gerade mal 8 Jahre alt. Klein und Mager wie sie war, konnte ich nicht für sie sorgen. Ich bin eine schlechte große Schwester. Ich habe sie ins Verderben gestürzt, nur nicht mich hinterher. Mutter ist an Lungenentzündung gestorben, keins der Kräuter im Wald konnte ihr noch helfen. Vater wurde von einem Bär angegriffen, als er auf dem Weg zum Dorf war, um Lebensmittel zu besorgen. Meine Hände streichen noch sanft über das Moos, das nach all den Jahren auf dem Grab gewachsen ist. Ich vernehme in meinem Blickwinkel ein zierliches Schmuckkästchen, wo Mutter die ganzen Wertsachen von uns aufbewahrt hat. Mir schießt ein Gedanke durch den Kopf. Ich kann mich jetzt genau daran erinnern. Bevor das Licht in Mutters Augen erlosch, bat sie mich auf das Schmuckkästchen aufzupassen, denn da drin war etwas sehr wertvolles versteckt. Ich renne schnell zu dem Kästchen. Ich bin so aufgeregt, dass ich meine Hände nicht unter Kontrolle habe. Ich atme einmal tief durch dann öffne ich das Kästchen. Es ist ein Buch darin. Vorsichtig schlage ich es auf. Auf der ersten Seite steht "dieses Buch gehört Camilla Cornovier " So hieß meine Mutter. Ich blättere weiter. Auf dem zweiten Blatt steht "Blättere weiter und deine sehnlichsten Wünsche gehen in  Erfüllung". Soll ich diesem Buch vertrauen? Ich meine, in ihm stehen extrem viele Sicherheitsregeln. Aber wenn ich dadurch meine Familie sehen kann ist es mir wert. Ich blättere mit zittrigen Händen die Seite um. Mit verschnörkelter Schrift steht auf der Seite "wünsch dir was". Ich quicke vor Glück. Gleich werde ich meine Mutter, meinen Vater und meine Schwester sehen. Nach so langer Zeit. Ich flüstere: "Ich wünsche mir das ich meine Familie wieder sehen kann." Das Buch antwortet: "Verzeihen sie ich habe ihre Eingabe nicht verstanden." Ich erschrecke. Das Buch kann sprechen. Ich wiederhole mit voller Stimme:" Ich wünsche mir das ich meine Familie wieder sehen kann." "Besser", antwortet das Buch. Kleine Funken sprühen aus dem Buch...Es wird hell und mit einem Mal steht meine ganze Familie vor mir. Ich laufe mit Freudentränen auf sie zu und umarme sie. Keine Reaktion. Ich gehe zwei Schritte zurück. In ihren Augen liegt kein glitzern, sondern nur Leere. Ich sehe meine Familie, doch sie war es nicht. Verzweifelt frage ich das Buch: "Was ist mit ihnen los?! Wieso reden sie nicht mit mir?!" Das Buch antwortete hinterlistig: "Ich habe dir nur den Wunsch erfüllt, dass du deine Familie wieder siehst. Nun, du siehst sie doch oder?" Ich nicke stumm und tränen der Trauer kullern aus meinen Augen. Ich bin wütend auf das Buch, wütend auf meine Hoffnung, meine Familie wieder sehen zu können und am meisten wütend auf meine Dummheit. Wieso habe ich meine Worte nicht durchdacht?! Jetzt habe ich alles vernichtet und mein Schmerz ist größer als je zuvor. Ich renne zu dem Brunnen der in der Nähe vor unserer winzigen Hütte steht. Ich werfe das Buch mit voller Wucht hinein. Plötzlich fange ich an zu weinen. Ich habe seit Jahren nicht mehr geweint. Selbst nicht als meine  ganze Familie gestorben ist. Ich kann nicht mehr so weiter leben. Nicht ohne Familie, Freunde und eine Zukunft. Ich stürze mich in den Brunnen. Bald bin ich bei meiner Familie. Endlich bin ich nicht mehr allein.

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